Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Shiba finden
Wann immer sich zwei Lebewesen kennenlernen, dann müssen sie sich erst einmal verstehen lernen. Das ist umso schwieriger, wenn sie nicht artverwandt sind.
Bei der Mensch-Hund-Kommunikation liegen die Schwerpunkte extrem auseinander:
Der Mensch ist es gewohnt überwiegend verbal zu kommunizieren, hingegen hat der Hund eine ausgeprägte Körpersprache. Für die Verständigung miteinander können wir einen Kompromiss anstreben.
Wir kombinieren unsere verbale Kommunikation (Lautsprache) mit einer nonverbalen aber aussagefähigen Körpersprache und Körperkontakt. (Siehe auch: Umgang mit dem Shiba )
Beim Shiba Inu bietet schon im Welpenalter das Kontaktliegen einen guten Einstieg in eine beziehungsgebundene Kommunikation. Wann immer einem selbst danach ist und wenn der Shibawelpe völlig überdreht durch die Gegend wuselt, legen wir eine kleine Liegepause auf dem Sofa ein und legen uns den Shiba-Welpen auf die Brust. Sanfte Streicheleinheiten beruhigen nicht nur den eigenen Atemrhythmus und die Herzfrequenz, sondern gehen auch den kleinen Wirbelwind über. Gleichzeitig vermitteln wir damit unseren neuen Familienmitglied Geborgenheit und Sicherheit.
Voraussetzung für eine gute Kommunikation mit dem Hund ist die eigene Aufmerksamkeit und natürlich die des Hundes. Der Shiba Inu Welpe ist zunächst sehr neugierig und vielseitig interessiert, deshalb muss man den richtigen Moment zur Ansprache finden.
Das ist auf jeden Fall immer der Moment, in dem der Shiba auf uns zugelaufen kommt. Diesen Augenblick können wir mit freudigen Lockrufen und Händeklatschen kommentieren, um uns diese Ruf-Klatsch-Kombination später zunutze zu machen.
Ein Welpe, der freudig erregt und kopfüber in Grasbüscheln scharrt, wird eher nicht seine Aufmerksamkeit mit uns teilen wollen. Hier können wir uns jegliches Rufen ersparen, sondern gehen mit der Leine zum Hund und holen ihn freundlich ab ... zum Weitergehen.
Auch ein ausgelassenes Hundespiel wird man im ersten Lebensjahr kaum durch Zuruf beenden können. Anstatt hier seinen mühsam geübten Abruf zu „versemmeln“, sollte man lieber nach angemessener Wartezeit wortlos auf das Geschehen zugehen und den Shiba mit der Leine abholen. Ein wenig eigenes Kasperle spielen wird ihm den Abschied erleichtern.
Die Menschenhand soll für den Hund immer positiv belegt sein, deshalb ist es ratsam, sie nur sehr selten für Korrekturen in der Hundeerziehung einzusetzen und sie vornehmlich zur Bestätigung durch Streicheleinheiten zu verwenden.
Deshalb rate ich auch im Haus bei schwer zugänglichen Hunden zur 50cm-Hausleine. Einerseits bin ich für sparsame Befehle an den Shiba Inu, aber die wenigen sollten auch konsequent durchgesetzt werden. Getreu nach dem Motto: Ich meine es ernst, mit dem was ich sage ! Dazu wird jede Abbruch-Forderung durch Führung an der Hausleine durchgesetzt.
Die Aufmerksamkeit des Hundes kann man in reizarmer Umgebungen mit einem Trick schulen. Dazu nimmt man ein Leckerlie zwischen Zeige- und Mittelfinger und führt diese auf den eigenen Nasenrücken auf Augenhöhe ... begleitet von dem Ausruf: „Schau !!“
Sowie der Shiba uns in die Augen schaut wird ihm das Leckerlie gegeben. Später können wir mit der Anordnung „Schau“ prüfen, ob wir die Aufmerksamkeit unseres Hundes tatsächlich haben um weitere Kommandos zu geben (oder eben auch zu unterlassen).
Auch für unterwegs gibt es einen Trick, die Achtung des Shibas auf uns zu lenken. Wenn der Shiba etwas schwerfällig auf unser Rufen reagiert, dann werfen wir unbemerkt ein Leckerlie zu unseren Füßen. Kurz darauf springen wir in die Hocke mit dem begeisterten Freudenausruf: „Oooohooo, schau mal was hier ist !“ Die Neugierde des Junghundes wird siegen und der Shiba kommt erwartungsvoll angerannt. Nun sind wir für ihn der Superheld und haben spielerisch gewonnen. Wieder einmal werden „schau“ und „hier“ positiv belegt.
Zur sinnvollem Kommunikation mit dem Hund gehören auch Auflösungssignale. Die Befehle „Stopp“, „Warte“, „Bleib“, „Steh“ erfordern eine zeitnahe Beendigung durch den Hundehalter. Z.B. „okay“ oder „los!“ Beim Shiba-Welpen sind die Abstände zwischen Befehl und Aufhebung ganz kurz gewählt und können mit zunehmenden Alter und hinreichendem Verständnis verlängert werden.
Aber auch unser Hund hat uns viel zu sagen.
Dazu ist unsere Aufmerksamkeit von Nöten.
Da der Shiba Inu eher ein ruhiger Hund ist, wird er überwiegend mit Blickkontakt und Körperhaltung „zu uns sprechen“.
Unbehagen und Angst drückt der Shiba Inu mit gesenkter Rute, durch Fluchttendenzen oder Schutzsuche (in unsere körperlichen Nähe) aus.
Mit eindringlichem Anstarren, leisen Fiepen oder suchendem Blick äußert der Shiba Inu ein Bedürfnis ( Hunger, Liebkosung, Gassi gehen ... )
Wachsame, leuchtende und erwartungsvolle Augen sind eine Spiel- und Beschäftigungsaufforderung.
Gespitzte Ohren in unsere Richtung zeigen hohe Aufmerksamkeit an.
Nach hinten gerichtete Ohren weisen auf eine Ablenkung hin.
Durch Schmatzen, gähnen, sich ducken oder langsames bogenförmiges sich nähern drückt der Shiba Inu seine Unsicherheit aus.
Wenn der Shiba auf Zuruf nicht aufschaut, oder gar aufschaut und bewusst beidreht, dann ist das als Ignoranz zu werten und abzubauen. Quatsche ich zuviel auf meinen Hund ein ???
Ständiges Ankläffen oder beiderseitiges Anbrüllen sind ein Zeichen von missglückter Kommunikation und bedürfen der Aufklärung.
Eigene Erfahrungen:
Als wir Nouki im Alter von 12 Wochen von ihrer Herkunftsfamilie übernommen hatten, war sie schon stubenrein - allerdings war sie an ein Haus mit offenem Zugang zum Garten gewohnt. Bei uns in der Mietwohnung kam sie zeitweise mit dem Babyschuh* im Maul auf uns zu gelaufen und schaute hilfesuchend zum offenen Fenster. (Für sie der einzige erkennbare Ausgang nach draußen).
Es hatte ein Weilchen gedauert, bis wir erkannten, dass das keine Spielaufforderung sondern ein Hilferuf zum Gassigehen ist. (*Interessanterweise war der Babyschuh eines der Spielsachen, die uns von der Züchterfamilie mitgegeben wurden!)
Keno wurde anfangs aus dem Bett verdammt, nachdem er es für sein Eigentum erklärt hatte und uns bei nächtlichen Bewegungen in die Beine biss. Später legte er seinen Kopf auf die Bettkante und bat so stumm um Einlass. Ein "okay" lässt ihn nun freudig unter die Bettdecke schlüpfen und unsere Beine bleiben nun unversehrt.
Keno & Yasu liegen demonstrativ vor der Haustür wenn sie raus müssen.
Pünktlich zur Fütterungszeit sitzen sie in der Küche vor ihren (noch) leeren Näpfen.
Wenn sie ihre Schlafplätze verschmähen und lieber im tiefsten Winkel unter´m Bett liegen ist (meistens) eine Krankheit im Anmarsch.
Mit nächtlichen Quieken zeigen die Beiden eine Verdauungsstörung an; Durchfall oder "nur" Blähungen, die von ihnen mit Stuhldrang verwechselt werden. Dann hat man auch schon mal den nächtlichen Aufmarsch für einen Pups veranstaltet.