Ich werde oft gefragt, ob sich der Shiba Inu in hundischer Gesellschaft wohler fühlt, als wenn er als Einzelhund gehalten wird.
Um diese Frage zu beantworten, müsste man seinen Hund fragen.
Meine Erfahrungen und die unserer Shiba-Freunde gehen weit auseinander.
Deshalb sollten die Aufzählungen nicht als allgemeingültig betrachtet werden.
Ich kenne einige Shiba-Familien, bei denen die Zusammenführung zweier Shiba Inu gut gelungen ist.
Deren Hunde leben harmonisch miteinander, teilen sich ein Körbchen, fressen ohne Neid nebeneinander im selben Raum und leben miteinander im Haushalt ihrer Familien - teilweise mit Kindern und anderen Hunden. So könnte sich mehrfaches Glück anfühlen. Beispiele: (1. Nennung = Ersthund & 2.Nennung = Zweithund )
Shiba Inu Hündin ANGEL & Shiba Inu Rüde BALKO, (beide potent)
Shiba Inu Rüde INU & Shiba Inu Hündin CHIYOKO (Rüde potent, Hündin kastriert)
Shiba Inu Hündin FUKIKO & Shiba Inu Rüde TAROK (beide potent)
Shiba Inu Hündin ARASHI & Shiba Inu Hündin YUKO (jahrelang potent; nun kastriert)
Shiba Inu Hündin YASU & Shiba Inu Rüde KENO (beide kastriert)
Mehrhundehaltung:
Shiba Inu Hündin MAURI & Sohn Shiba Inu Rüde AMUN & 1. Secondhandhund Shiba Inu Rüde TOMMY & 2. Secondhandhund Shiba Inu Rüde JOJO, (alle kastriert; Ausnahme Amun=potent)
Aus Zuschriften von Ratsuchenden weiß ich, dass leider nicht jede Zusammenführung von Hunden gelingt.
So hat sich bei einigen Hundehaltern die Problemsituation ergeben, dass sie ihre Shibas nur noch in getrennten Räumen halten können und diese auch nur einzeln ausführen, um blutige Auseinandersetzungen zu verhindern.
Denn manchmal verändert sich auch der Ersthund im Zusammenleben mit einem weiteren Hund problematisch.
Das kann nicht das Ziel von „Rudelhaltung“ sein - weder für die Hunde noch für die Hundeliebhaber.
Hier stellt sich die Frage, ob man durch intensives Hundetraining eine Verbesserung der Lebenssituation innerhalb der Familie erzielen kann, oder ...
... zu Gunsten aller Beteiligten eine endgültige Trennung der unglücklichen Hunde einleitet.
Auch dazu kenne ich einige Betroffene persönlich und habe Hochachtung vor ihrer verantwortungsvollen Entscheidung, denn die abgebenden Hundebesitzer haben diese allerletzte Notlösung sehr tränenreich gewählt. In unsere Gespräche schleichen sich manchmal Schuld- und Versagensgefühle, obwohl sie mit der Wahl der neuen Hundefamilie voll einverstanden sind und ihre Hunde im neuen Heim eine deutlich höhere Lebensqualität erzielt haben, als es in der Ausgangssituation möglich gewesen wäre.
Wie kann ich Risiken bei der Aufnahme eines weiteren Hundes vermeiden?
Der günstigste Zeitpunkt:
Entscheidend ist der günstigste Zeitpunkt für die Aufnahme eines zweiten Hundes.
Der Ersthund sollte körperlich voll ausgereift und seine geschlechtliche Entwicklung abgeschlossen sein.
Selbstverständlich sollte auch die Erziehung des vorhandenen Shiba Inus weitestgehend vollendet sein (siehe unten)
Im Alter von ca. 3 Jahren kennt man seinen ersten Shiba Inu umfassend und kann ihn ganzheitlich gut einschätzen.
Rüde oder Hündin ??
Bei der Geschlechter-Zusammenstellung ist zu berücksichtigen, dass unkastrierte Hündinnen lebenslangen hormonellen Schwankungen unterworfen sind, die mit ständigen Veränderungen im Sozialverhalten einhergehen. Und auch potente Rüden sind in ihrer Triebhaftigkeit unterschiedlich, was ihrerseits zu wechselnder Sozialverträglichkeit führt.
Ein Welpe als Zweithund ist daher ein nicht zu unterschätzendes Überraschungspaket, dessen Verträglichkeit sich unter Umständen erst nach Monaten bis Jahren zeigt.
Grundsätzlich würde ich dazu raten, zwei verschieden geschlechtliche Hunde zu halten, aber auch dazu gibt es gelungene Gegenbeispiele.
Wovon hängt es ab, ob eine Zusammenführung zweier Hunde gelingt ?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Auch bei den Hunden scheint es so zu sein, dass sich manche wohl „nicht riechen können“.
Es gibt Shiba-Typen, die sich besser als Einzelhund entfalten und andere, die von einem Zweithund profitieren.
Zwingende Voraussetzung ist in jedem Fall, dass die Erziehung des ersten Hundes (weitestgehend) abgeschlossen ist und die Hund-Halter-Beziehung klar geregelt ist. D.h. die Grundbefehle werden vom Shiba Inu prompt und zuverlässig ausgeführt, die Ressourcenverteilung liegt eindeutig beim Hundeführer, der Ersthund ist gut sozialisiert und weiß sich im und außer Haus zu benehmen - ohne dass es zu Belästigungen anderer Erdenbewohner kommt.
Denn bedenke: Ein neuer Hund (evtl. sogar Welpe) braucht anfangs sehr, sehr viel Aufmerksamkeit, die dem bereits vorhandenem Hund abgezogen wird. Der Ersthund sollte also sicher in der Spur stehen, um eine vorübergehende Einschränkung der Aufmerksamkeit nicht mit Problemverhalten zu quittieren.
Daraus erklärt sich, dass es nur ein Irrglaube sein kann,
einen problematischen Ersthund durch die Anschaffung eines Zweithundes "heilen" zu können.
Das Gegenteil könnte eintreffen und dann hat man das Dilemma im Doppelpack. Besser ist es, wenn man sich vor der Anschaffung eines zweiten Hundes längerfristig bewiesen hat, dass man seinem Hund in sämtlichen Lebenslagen gewachsen ist und ihm die nötige Sicherheit für seine freie Entfaltung bieten kann.
Falsch wäre es auch, einem älterem Hund, der sich im letzten Lebensabschnitt befindet, einen „Eindringling“ vorzusetzen. Mir bricht es das Herz, wenn ich höre, dass der ältere Hund den „Kleinen“ erziehen könnte. Das ist doch sehr egoistisch von den Besitzern gedacht und wird dem langjährigem Gefährten nicht gerecht, wenn er durch die Poussierlichkeiten oder Aufmüpfigkeit des Junghundes immer wieder herausgefordert oder schlimmstenfalls in den Schatten gestellt wird.
Was ist bei der Auswahl und Eingliederung des zweiten Hundes zu beachten?
Hierzu mag ich keine Tipps geben, weil sie keine Allgemeingültigkeit hätten.
Dazu wären genaue Kenntnisse über den Ersthund und seinen Entwicklungsverlauf wichtig.
Auch die häusliche Situation, der Lebensrhythmus und die individuellen Anforderungen an die Vierbeiner fliessen in die Beratung ein.
Ich kann nur dringend empfehlen, einen professionellen Tiertrainer in Anspruch zu nehmen.
Der Hundetrainer / die Hundetrainerin wird Euch bei der Auswahl des Shiba Inu Welpen beraten können und Euch bei der Eingewöhnung des Zweithundes bzw. Zusammenführung der beiden Hunde mit vorausschauendem Blick unterstützen und kompetente Hilfestellung leisten.
Kosten: ca. 20,- bis 60,- Euro / Stunde ... je nach Qualifikation.
Diesen Preis sollte man bei der Aufnahme eines weiteren Hundes zu den Anschaffungskosten dazu rechnen.
Wer zu Beginn Geld sparen will, wählt vermutlich den kostenintensiveren Weg.
Prävention ist bekanntlich preisgünstiger als Schadenwiedergutmachung.
Übrigens:
Ein reinrassiger Shiba Inu hat als Secondhandhund einen „Marktwert“ von ca. 250,- Euro Schutzgebühr.
Entschuldigt bitte meine Deutlichkeit; vielleicht wird mir der ein oder andere, der gerade in spontaner Versuchung ist, dennoch dankbar sein.
Denn: Auch die Aufnahme meines Shiba Inu Rüden KENO war eine beinahe unüberwindbare Herausforderung für mich. Keno kam mit einem Problempaket zu uns, das mich voll und ganz in Anspruch genommen hatte und auch meine friedfertige Ersthündin YASU an die Grenzen ihrer Gutmütigkeit führte. In Zeiten größter Erschöpfung fragte ich mich schon auch mal, ob ich mir mit einem Hund mein Leben versauen will !?
Ende gut, alles gut !! Trotzdem kann ich NICHT - ohne wenn und aber - leichtfertig zu einem Zweithund raten.